Unterricht

     

    ◊ Unterricht für Kompetenzen im 21. Jahrhundert
    ◊ Kreislauf des adaptierbaren Unterrichts
    ◊ Dimensionen im technologie-angereicherten Klassenzimmer

     

    NEXT-TELL möchte mittels Web 2.0 verschiedene Kompetenzen durch adaptiven Unterricht bestmöglich fördern. Unterricht ist dann adaptiv, wenn die Lernbedürfnisse einzelner Schüler bzw. Schülergruppen identifiziert, berücksichtigt und gefördert werden können. Inwiefern sich ein technologie-angreicherter Unterricht erfolgreich im Klassenzimmer umsetzen lässt, untersucht NEXT-TELL anhand ausgewählter Kriterien, die Aspekte beim Lernen und Lehren beschreiben.

      

    ◊ Unterricht für Kompetenzen im 21. Jahrhundert

    In NEXT-TELL werden Unterrichtsszenarien entwickelt, um Schüler in ihren Medien-, Kollaborations-, und Lernkompetenzen zu fördern. Diese Kompetenzen werden als fachübergreifende Kompetenzen verstanden und werden im Englischen Sprachgebrauch als 21st century skills bezeichnet. Schüler sollen nicht nur Fachkompetenzen sondern auch fachübergreifende Kompetenzen wie Mediennutzung und gemeinsames Arbeiten lernen. Diese Kompetenzen sind wichtige Bestandteile, um sich in der heutigen Welt nicht nur zurecht zu finden sondern auch entsprechend auszudrücken. Die in NEXT-TELL entwickelten Szenarien beinhalten Beurteilungsmethoden und – tools, um die Methode der formativen Beurteilung für diese Kompetenzen zu ermöglichen.

    • Fachkompetenzen: Die Vermittlung von Fach-kompetenzen ist ein zentrales Anliegen von Schule und stellt die Expertise von LehrerInnen dar. NEXT-TELL bietet als Unterstützung im Bereich der Naturwissenschaften  (z.B. Mathematik in GoogleSpreadsheets) sowie Fremdsprachen (Englisch in immersiven Lernumwelten) Kooperations-möglichkeiten, um hierbei eine formative Beurteilung zu entwickeln.

    • Medienkompetenzen: Medienkompetenzen befähigen dazu, Medien dem Alter entsprechend selbstbestimmt, verantwortungsbewusst, kritisch und kreativ zu nutzen (BMFSJS, 2012). NEXT-TELL unterstützt SchülerInnen und LehrerInnen dabei, die aktive Mediennutzung formativ zu fördern. Die Aufmerksamkeit liegt hierbei darauf, Medien für den generativen Wissenserwerb zu nutzen. LehrerInnen können sich innerhalb NEXT-TELL von der Erstellung von Präsentationen bis hin zum Aufbau eines E-Portfolios weiterbilden und für den Einsatz in ihrem Unterricht begleiten lassen.

    • Kollaborationskompetenzen: Menschen sind darauf angewiesen miteinander zu arbeiten, um komplexe Herausforderungen (z.B. Hausbau, Medikamentenentwicklung, Schulent-wicklung, Energiegewinnung) zu meistern. NEXT-TELL unterstützt Schulen dabei, ihren Schülern Lerngelegenheiten für die Entwicklung der dafür notwendigen Kompetenzen (z.B. wie moderiere ich eine Gruppenarbeit?) zu bieten.

    • Lernkompetenzen: Um Menschen in ihrem Prozess des lebenslangen Lernens zu unterstützen, ist es wichtig, dass sie lernen wie sie ihr Lernen selbst organisieren und steuern können. Obwohl fachspezifische Lernkompetenzen wie z.B. das sinnverstehende Lesen sehr wichtig sind, werden in NEXT-TELL die Hauptschritte des selbstbestimmten Lernens vermittelt. Hierbei gilt es die Bannbreite von Lehrplan und selbst gesetzten Lernzielen konstruktiv zu nutzen. Wichtige Phasen beim selbstbestimmten Lernen sind in der Abbildung zum Kreislauf des adaptiven Unterrichts (s.u.) dargestellt.

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    ◊ Kreislauf des adaptierbaren Unterrichts

    NEXT-TELL möchte neben der bisherigen Selektionsdiagnostik (summative Beurteilung) an Schulen die formative Beurteilung (Förderdiagnostik im alltäglichen Schulunterricht) sowie kollaboratives Lernen stärken. Da Förderdiagnostik im schulischen Kontext schwierig umzusetzen ist,  besteht die Idee darin, sich dafür Hilfe bei den IKT zu holen. Mithilfe von IKT lassen sich Beurteilungsdaten leichter sammeln und automatisch auswerten sowie veranschaulichen. Die Stärke von Technologien kommt insbesondere dann zum Tragen, wenn sie in einen Gesamtkontext eingebettet sind. Die Abbildung des “Kreislaufs des adaptiven Unterrichts” veranschaulicht welche Rolle IKT und welche Rolle der Mensch bei der Integration von formativer Beurteilung in den Unterricht einnehmen. NEXT-TELL unterscheidet sechs Schritte, aus denen sich ein adaptiver Unterricht  zusammensetzt: (1) Planung, (2) Lernzeiten mit Datensammlung, (3) Datenanalyse, (4) Datenveranschaulichung, (5) Reflektion über das Lernen und (6) Austausch mit anderen (z.B. im Lehrer-Schüler-Gespräch).

     

    Planung: Formative Beurteilung ist immer transparent, d.h. der Schüler ist darüber informiert (bzw. kann evtl. auch mitentscheiden) welche Lernziele erreicht werden können. Lernziele sind am besten als Kompetenzen mit dazugehöriger Skala ausformuliert. Kompetenzraster eigenen sich für dieses Vorgehen. Um sich nun von IKT unterstützen zu lassen, muss auch geklärt werden, welche Daten während des Lernens mit welchem Tool gesammelt werden sollen. NEXT-TELL bietet für diesen Schritt die Methode der evidenzbasierten Gestaltung von Lernaktivitäten und -beurteilungen (ECAAD Planer – Evidence Centered Activity and Assessment Design) für die ein entsprechendes Tool weiterentwickelt wird.

    • Datensammlung: Während Schüler im Unterricht lernen, fallen viele Daten an. Diese können nach Selektion in der Planungsphase entweder indirekt erfasst werden (z.B. über einen digitalen Fragebogen) oder aber die Aktivitäten der Schüler beim Lernen mit einem bestimmten Web 2.0 Programm können direkt erfasst und entsprechend interpretiert werden. Einem Unterricht mit Web 2.0 sind theoretisch keine Grenzen gesetzt. Für Unterricht hat sich allerdings das Learning Management System Moodle durchgesetzt, mit welchem LehrerInnen ihren Unterricht in konkrete Kurse umsetzen können. Des Weiteren kann jedoch auch direkt mit Web-2.0-basierten Schreib- oder Tabellenkalkulationsprogrammen gearbeitet werden, wie sie zum Beispiel Google anbietet. Außerdem kann Unterricht auch in immersiven Lernumwelten wie OpenSim durchführt werden. All diesen Programmen ist gemein, dass sie ein kollaboratives Lernen ermöglichen. NEXT-TELL arbeitet daran,  aus all diesen Programmen Lerndaten abzugreifen, um sie einer formativen Beurteilung zugänglich zu machen.

    • Datenanalyse: Um einen Fortschritt in den Kompetenzen der SchülerInnen abzubilden, gilt es neue Daten mit schon im System vorhandenen Daten aus früheren Lernaktivitäten mit einander in Beziehung zu setzen. Für diesen Prozess greift NEXT-TELL auf die Algorithmen sogenannter offener Lernermodelle (Open Learner Models – OLM) zurück. Während herkömmliche Schulzeugnisse in der Regel einen Durchschnittswert aus vier bis sechs Klassenarbeiten (oder anderen Leistungsprüfungen), die über ein Schuljahr verteilt geschrieben wurden, abbilden, zielen Lernermodelle darauf ab, die Kompetenzen (inklusive Schwierigkeiten und Misskonzepte) der SchülerInnen während dem Schuljahr abzubilden. Neuere Lerndaten zu einem Bereich haben in diesem System in aller Regel eine stärkere Gewichtung als zurückliegende Lerndaten, um einen Lernfortschritt entsprechend abbilden zu können.

    • Visualisierung: Die Hauptaufgabe offener Lernermodelle besteht darin, das Wissen bzw. den Lernverlauf der SchülerInnen zu veranschaulichen, so dass sowohl Schüler als auch Lehrer und Eltern Zugriff auf eine externale Repräsentation des Schülerwissens haben. Die visuelle Darstellung von Schülerwissen durch den Computer stellt eine erhebliche Erleichterung für Lehrer dar, die ansonsten ein System (z.B. Excel oder aber handgemachte Visualisierungen) bemühen müssten. Bei den Visualisierungen stellt sich die Frage wie diese gestaltet sein müssen, damit sie von SchülerInnen entsprechend verstanden werden oder aber für Lehrer eine hilfreiche Informationsquelle über ihre SchülerInnen sind. Offene Lernermodelle bieten hier ohne Mehrarbeit eine reiche Auswahl an Visualisierungen an.

    • Interpretation & Reflektion: Die Visualisierungen der Schülerleistungen in einem OLM sollen SchülerInnen darin unterstützen, ein größeres Bewusstsein über ihre Kompetenzen sowie Schwächen zu erhalten. Darüber hinaus sollen diese lernermodelle SchülerInnen als Hilfe zur Reflektion ihrer Lernprozesse dienen. Solch eine Phase ist wichtig, um sich Zeit zu nehmen und über den eigenen Lernfortschritt nachzudenken bzw. zu reflektieren. Diese metakognitiven Prozesse sind eine wichtige Grundlage des selbstbestimmten Lernens. Im ePortfolio Mahara können SchülerInnen ihre Lernfortschritte aus den bereitgestellten Visualisierungen sowie Lernartefakte aktiv dokumentieren bzw. einbinden. Im Gegensatz zu Moodle, welches vom Lehrer gesteuert wird, können SchülerInnen in Mahara ihr Profil selbst verwalten. Diese Funktion ist wichtig, um SchülerInnen Kontrolle über ihre Daten zu geben.

    • Besprechung: Im letzten Schritt dieses fortwährenden Keislaufs soll der Austausch über das Lernen ermöglicht werden. Auch hierfür kann Mahara genutzt werden, welches LehrerInnen erlaubt auch außerhalb der Schulstunde Feedback an die SchülerInnen zu geben. LehrerInnen (aber auch MitschülerInnen und Eltern) können nämlich Zugriff auf die Schülerprofile und die dort enthalten Informationen wie Lernartefakte und Visualisierungen erhalten und diese kommentieren und zu weiteren Lernfortschritten anregen.

    Diese Abfolge der sechs Schritte ist als spiralförmig anzusehen. Zudem ist die Abfolge der Schritte nicht zwingend. Es kann zu “Vor- und Rücksprüngen” kommen, da LehrerInnen auf Basis der bereit gestellten Informationen, ihren Unterricht  den individuellen Leistungen der SchülerInnen entsprechend besser adaptieren können.  

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    ◊ Dimensionen im technologie-angereicherten Klassenzimmer

    Als Forschungsprojekt interessiert sich NEXT-TELL dafür, inwiefern sich der Einsatz von Web 2.0 im Klassenzimmer auf den Unterricht und den Lernerfolg der Schüler auswirkt. Das Unterrichten im technologie-angereicherten Klassenzimmer wird mit unter auch als Klassenzimmer-Orchestrierung bezeichnet.  Hierbei ist zu beachten, dass die Orchestrierung im Sinne einer Jazzband und weniger eines klassischen Orchesters verstanden wird. Um den Einfluss von Technologien im Klassenzimmer auf das Lernen zu untersuchen, greift NEXT-TELL die Dimensionen von Crawford und Kollegen (2008) auf. Es wird angenommen, dass ein pädagogisch erfolgreicher Einsatz von Technologien wie Web 2.0 im Klassenzimmer die Interaktionen zwischen Lehrer und Schüler sowie zwischen Schüler und Schüler insbesondere auf den drei Dimensionen (1) Inhalt, (2) Kommunikation und (3) Zeit beeinflusst.

    • Inhalt-Zeit: Technologien (z.B. Internet) erleichtern einen vereinfachten Zugriff auf eine größere Auswahl an Lernmaterialien. Wichtiger ist jedoch, dass sie bei entsprechend formativer Beurteilung (siehe Kreislauf des adaptiven Unterrichts) die Rückmeldungen für die SchülerInnen über ihr Lernen bereit stellen. SchülerInnen und LehrerInnen werden dadurch umfassender und schneller über die Lernaktivitäten sowie Lernschwierigkeiten informiert. Diese Informationen können sie zum Nachdenken über ihr Lernen nutzen.

    • Kommunikation-Zeit: Während im technologiearmen Klassenzimmer der Lehrer immer nur die Antwort einer SchülerIn aufnehmen kann, so können mit entsprechender Technologie alle SchülerInnen eine Frage zur gleichen Zeit beantworten. LehrerInnen sowie SchülerInnen erhalten dadurch in kürzester Zeit einen umfassenden Überblick über ihre (Mit)SchülerInnen. Zudem können SchülerInnen die Arbeiten anderer Schüler einfacher kommentieren bzw. Peer-Feedback geben oder gar gemeinsam an einer Aufgabe arbeiten. Auf diese Weise steigt die aktive Teilnahme am Unterricht automatisch.

    Bei Veränderungen des Unterrichtsgeschehens auf den oben genannten Dimensionen wird erwartet, dass LehrerInnen einen umfassenderen Überblick über ihre SchülerInnen im Klassenzimmer erhalten und ihren Unterricht somit gezielter an ihnen ausrichten können. Für SchülerInnen wird erwartet, dass sie sich vermehrt über inhaltliche Belange austauschen und zusammenarbeiten, somit engagierter Lernen und zudem im Nachdenken über ihr vergangenes wie auch ihre zukünftiges Lernen angeregt werden. Das Zusammenspiel aller Dimensionen führt letztlich zu einem erfolgreicheren Lernen.

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